Wer die Gagen macht. Teil 1: Was daraus geworden ist

Scheinwerfer im Bühnennebel

Wer in Deutschland eine Rolle mit Text spielt, wird nach Tarif als Schauspieler bezahlt. Es sei denn, die Rolle gilt als klein. Dann fällt sie in den Kleindarstellerbereich, und die Gage sinkt auf ein Niveau, das für Mitwirkende ohne Ausbildung gedacht ist. Der Tarifvertrag für Kleindarsteller sah 2013 zwischen 96 und 250 Euro pro Drehtag vor.

Die Grenze zieht der Tarifvertrag für Kleindarsteller. Kleindarstellung liegt dort vor, wenn kein längerer Wort- oder Reaktionswechsel vorgesehen ist. An diesem Kriterium entscheidet sich, ob ein Drehtag mit Text als Schauspielleistung oder als Komparserie abgerechnet wird.

In den Fußnoten dieses Tarifvertrags steht ein bemerkenswerter Hinweis. Eine der Kleindarstellerkategorien entspricht ausdrücklich dem Begriff der „kleinen Rolle“, wie er bei ZDF-Produktionen verwendet wurde. Die Kategorie stammt also aus der Praxis eines öffentlich-rechtlichen Senders. Sie wurde in den Tarifvertrag übernommen und gilt heute für die ganze Branche.

Die Einstufung als kleine Rolle dient heute in vielen Fällen dazu, Tagesgagen für Sprechrollen abzusenken. Rollen, die früher als Episodenrolle oder Tagesrolle regulär vergütet wurden, werden zu Kleindarstellerkonditionen angefragt. Angeboten werden sie ausgebildeten und langjährig tätigen Schauspielerinnen und Schauspielern.

Der Schauspielerverband hat solche Fälle 2024 juristisch prüfen lassen. Anlass waren Beschwerden von Schauspielern, denen für Rollen mit Text Komparserievergütungen angeboten wurden. Der konkrete Fall betraf eine Produktion für Sat.1. Eine verantwortliche Person beim Schauspielerverband sprach mit Blick auf die Branche von einem „Dammbruch“ und stellte klar, dass der Begriff Sondergage schlicht eine besonders niedrige Gage bezeichnet.

Warum kaum jemand darüber spricht

Öffentlich äußern sich betroffene Schauspieler fast nur anonym. Eine Recherche von Übermedien aus dem Jahr 2024 nennt den Grund schon im Titel: Wer aufmuckt, wird nicht mehr besetzt.

Die kleine Rolle ist damit das Werkzeug, mit dem Sprechrollen aus dem Schauspieltarif herausgelöst werden. Ihren Ursprung hat sie in der Praxis des ZDF. Wie der Sender seine Gagen darüber hinaus festlegt, zeigt Teil 2.

Quellen

Tarifvertrag für Kleindarsteller, ver.di und Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen, 2013, Ziffer 1.2 und Fußnote 4 zur „kleinen Rolle“ bei ZDF-Produktionen: produktionsallianz.de

Übermedien, „Wer aufmuckt, wird nicht mehr besetzt“, 19. März 2024: uebermedien.de

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Autor: Markus ist Flourish

Founder

2 Gedanken zu „Wer die Gagen macht. Teil 1: Was daraus geworden ist“

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