Gespart wird an uns
Erster Teil einer Serie über das ZDF
Wer die Gagen macht
Zweiter Teil einer Serie über das ZDF
Erster Teil einer Serie über das ZDF
Zweiter Teil einer Serie über das ZDF
Markus Majowski, Nicolai Tegeler
Die Feuer von Teheran
Novum Verlag
erscheint Ende Mai 2025
978-3-7116-0596-2
24,20 € (D), 24,90 € (A), 35,50 CHF
Maria & Yasemin. Die Feuer von Teheran – der erste Roman von Markus Majowski und Nicolai Tegeler erscheint am Ende Mai 2025 im Novum Verlag.
Ein hochaktueller Spionagethriller über eine verbotene Liebe, radikale Netzwerke und ein Europa am Abgrund.
Berlin wird zur Bühne politischer Intrigen, während zwei Frauen in einem Geflecht aus Loyalität, Identität und Ideologie um Wahrheit und Freiheit kämpfen.



2024 zählte die Statistik in Deutschland im Schnitt 5.505 tägliche Schauspielbeschäftigungen. Das ist der tiefste Stand, der je gemessen wurde, und 11,21 Prozent weniger als in normalen Zeiten. Zwischenzeitlich waren es noch 6.665, im Jahr 2023 dann 5.825. Für 2025 deuten die Rückmeldungen der Mitglieder des Schauspielerverbands und des Verbands der Agenturen auf noch weniger Arbeit hin.
Die Zahlen stammen aus der gemeinsamen Pressemitteilung des Schauspielerverbands und des Verbands der Agenturen vom 5. September 2025. Eine verantwortliche Person beim Schauspielerverband nennt als wichtigste Ursache den Produktionsrückgang bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, die die größten Auftraggeber der Filmbranche sind. Die Agenturen berichten, dass der Rückgang der Angebote ihren Künstlerinnen und Künstlern auch seelisch schwer zusetzt.
Viele Kolleginnen und Kollegen haben über Jahre von zwei bis drei Drehtagen im Monat gelebt. Episodenrollen, Tagesrollen, wiederkehrende Figuren in Serien. Davon lebte man bescheiden und verlässlich. Es war ein Fundament, auf dem man eine Wohnung mieten, Kinder großziehen und einen Haushalt führen konnte.
Ein Teil dieser Drehtage existiert weiter. Er geht heute an Kleindarsteller, Komparsen und Community Player (ehemals bezeichnet als Kleindarsteller, Komparsen), zu einem Bruchteil der Gage (siehe Teil 1). Für den Sender und die Produktion ist das eine Einsparung im Budget. Für einen Schauspielerhaushalt heißt es: Die Miete bleibt, die Kinder bleiben, die Versicherungen bleiben, und das Einkommen fällt weg.
In meinem Umfeld kenne ich Ehen und Familien, die an diesem Druck zerbrochen sind. Ihre Geschichten werde ich hier erzählen, sobald die Betroffenen zugestimmt haben.
Während die Drehtage verschwinden, laufen die alten Produktionen weiter. Als Wiederholung, in den Mediatheken, auf Spartenkanälen, im Pay-TV, auf Streamingplattformen und über Lizenzen ins Ausland. Diese Auswertung bringt Sendern und Produktionen fortlaufend Erträge. Die Menschen, die diese Programme gemacht haben, verlieren gleichzeitig ihre laufende Arbeit.
Für genau diese Lage gibt es § 32a des Urheberrechtsgesetzes. Steht die gezahlte Vergütung in einem auffälligen Missverhältnis zu den Erträgen aus der Verwertung, haben Mitwirkende Anspruch auf eine weitere Beteiligung. Auf diesen Anspruch kann im Voraus niemand verzichten.
Die Sender begründen den Produktionsrückgang mit ihrer Finanzlage. Die Produktionen begründen die niedrigen Gagen mit den Budgets der Sender. Mit derselben Finanzlage lässt sich die Beteiligung an Erträgen, die längst erwirtschaftet sind, nicht verweigern. Dieses Geld ist da. Es stammt aus unserer Arbeit.
Sprechrollen werden nach dem Schauspieltarif bezahlt, ohne Umweg über die kleine Rolle oder den Community Player (ehemals bezeichnet als Kleindarsteller, Komparsen). Oberhalb der Einstiegsgage gibt es verbindliche, kollektivvertraglich vereinbarte Gagen. Die Sender setzen sich als Auftraggeber mit an den Tariftisch und übernehmen die Verantwortung, die sie heute an die Produktionsfirmen abschieben. Und wer mit unseren Darbietungen über Jahrzehnte Geld verdient, beteiligt uns daran, ohne dass jeder Einzelne dafür kämpfen muss.
Schauspielerverband und Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater, Pressemitteilung „Dramatischer Rückgang von Schauspielbeschäftigungen“, 5. September 2025, Zahlen der Bundesagentur für Arbeit: casting-network.de (PDF)
Urheberrechtsgesetz, § 32a Weitere Beteiligung des Urhebers: gesetze-im-internet.de
Die Tagesbeschäftigung von Schauspielerinnen und Schauspielern in Deutschland ist um 11,21 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt zurückgegangen. Sie liegt damit unter den Werten der Jahre 2020 und 2021. Diese Zahlen haben der Schauspielerverband und der Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater am 5. September 2025 veröffentlicht.
Als wichtigste Ursache nennt eine verantwortliche Person beim Schauspielerverband den Produktionsrückgang bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Er beruht nach dieser Darstellung auf Unterfinanzierung. Die Sender sind die größten Auftraggeber der Filmbranche, und was sie weniger produzieren, fällt als Arbeit für Schauspieler weg. Der VdA-Vorsitzende Ulrich Meinhard hat darauf hingewiesen, dass der Rückgang der Angebote die Künstlerinnen und Künstler auch seelisch stark belastet.
Weniger Produktionen bedeuten weniger Drehtage. Gleichzeitig werden Sprechrollen häufiger zu Kleindarstellerkonditionen angefragt, wie Teil 1 gezeigt hat. Und die Gagen oberhalb des Tarifs bleiben eine Vorgabe der Sender ohne Verbindlichkeit, wie Teil 2 gezeigt hat. Wer heute als Schauspieler arbeitet, bekommt seltener ein Angebot, und wenn, dann oft zu schlechteren Bedingungen.
Im Programm sieht das anders aus. Ältere Produktionen laufen weiter als Wiederholung, in der Mediathek, auf Spartenkanälen, im Pay-TV, auf Streamingplattformen und über Lizenzen im Ausland. Diese Auswertung erzeugt fortlaufend Erträge. Die Einkommen aus laufender Arbeit sinken für die Menschen, die diese Produktionen damals gemacht haben.
Für genau diese Lage hat der Gesetzgeber § 32a des Urheberrechtsgesetzes geschaffen. Steht die gezahlte Vergütung in einem auffälligen Missverhältnis zu den Erträgen aus der Verwertung, haben Mitwirkende Anspruch auf eine weitere Beteiligung. Der Anspruch ist im Voraus nicht verzichtbar, und es kommt nicht darauf an, ob die Erträge bei Vertragsschluss vorhersehbar waren.
Ein Sender, der den Produktionsrückgang und die niedrigeren Gagen mit seiner Finanzlage begründet, beruft sich auf eine Lage, die er bei bereits erwirtschafteten Auswertungserlösen nicht geltend machen kann. Diese Erträge sind entstanden. Sie stammen aus der Arbeit von Schauspielerinnen und Schauspielern, die heute weniger Drehtage und niedrigere Gagen haben.
Das ZDF hat die kleine Rolle geprägt, es legt seine Gagenlisten ohne Tarifbindung fest, und es steht als Auftraggeber außerhalb der Tarifverträge. Die Verantwortung für das Gagenniveau im öffentlich-rechtlichen Fernsehen liegt damit bei ihm.
Schauspielerverband und Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater, Pressemitteilung „Dramatischer Rückgang von Schauspielbeschäftigungen“, 5. September 2025, Zahlen der Bundesagentur für Arbeit: casting-network.de (PDF)
Urheberrechtsgesetz, § 32a Weitere Beteiligung des Urhebers: gesetze-im-internet.de
Premiere im LichtwarkTheater Hamburg-Bergedorf, danach Deutschland-Tour 2026.
Foto oben: Bo Lahola
Heute Abend um 18 Uhr war Premiere im LichtwarkTheater in Hamburg-Bergedorf. „Die fetten Jahre sind vorbei“ geht damit auf Deutschland-Tour, und ich bin wieder dabei als Millionär Hardenberg.
Angefangen hat alles an den Hamburger Kammerspielen. Dort hatte das Stück nach dem Film von Hans Weingartner, für die Bühne eingerichtet von Gunnar Dreßler, am 23. März 2025 Premiere und lief bis zum 3. Mai 2025. Regie und Bühne: Max Claessen, Kostüme und Mitarbeit Bühne: Sonja Zander, Dramaturgie: Anja Del Caro. Auf der Bühne standen Markus Feustel, Chantal Schumacher, Daniel Elias Klein und ich.
Für die Tour 2026 spielen wieder Markus Feustel, Chantal Schumacher, Daniel Elias Klein und ich. Nach Bergedorf geht es weiter nach Saarlouis, Ahaus, Lennestadt, Winterthur, Elmshorn, Buxtehude, Neumünster, Espelkamp, Jever, Norderstedt, Gladbeck, Wesel, Nagold und Herford.
Alle Termine und Karten: markus-majowski.de/termine.html. Foto: Bo Lahola.
Für Schauspieler gibt es eine tarifliche Einstiegsgage. Oberhalb dieser Untergrenze gibt es keine verbindlichen Drehtagsgagen. Was ein Schauspieler im öffentlich-rechtlichen Fernsehen darüber hinaus verdient, regeln die Gagenlisten der Sender.
Der Schauspielerverband hat diese Struktur in einem Grundsatztext analysiert. Die Gagenliste des ZDF wurde demnach nie mit einer Gewerkschaft kollektivvertraglich vereinbart. Sie ist deshalb für die Darstellerseite rechtlich nicht durchsetzbar. Der Verband fasst das mit dem Satz zusammen: Der Herr gibt, und der Herr nimmt.
Tarifverträge in der Film- und Fernsehbranche schließen die Gewerkschaften mit den Produktionsunternehmen. Diese Firmen produzieren im Auftrag der Sender und hängen wirtschaftlich von ihnen ab. Die Sender selbst sind als eigentliche Auftraggeber an diesen Verträgen nicht beteiligt.
Das ZDF bestimmt damit über Auftragsvolumen und Budgets den Rahmen, in dem besetzt und bezahlt wird. An die tariflichen Vereinbarungen darüber ist es selbst nicht gebunden. Seine Gagenstruktur konnte der Sender so über Jahrzehnte einseitig festlegen.
Ende Oktober 2025 haben der Schauspielerverband, die Produktionsallianz und das ZDF erstmals Gemeinsame Vergütungsregeln für Schauspielerinnen und Schauspieler vereinbart. Sie regeln die Beteiligung an Erlösen aus der kommerziellen Verwertung, etwa wenn eine Produktion wiederholt, lizenziert oder online angeboten wird.
Zur Gage selbst halten die Regeln ausdrücklich fest, dass ihre Höhe weiterhin individuell nach der bisherigen Praxis vereinbart wird. Die Gagenliste bleibt also, was sie war: eine Vorgabe des Senders ohne Verbindlichkeit für die Schauspieler. Am Niveau der Tagesgagen ändert das Abkommen wenig.
Was geschieht, wenn bei diesem Gagensystem zusätzlich die Zahl der Produktionen sinkt, zeigt Teil 3.
Schauspielerverband, Grundsatztext „Das Gagen-Dilemma mit den Öffentlich-Rechtlichen“, 27. Mai 2025.
Schauspielerverband, ZDF und Produktionsallianz, Gemeinsame Vergütungsregeln Schauspiel, 31. Oktober 2025, Ziffer 1.2.
Für Schauspieler gibt es eine tarifliche Einstiegsgage. Darüber gibt es nichts Verbindliches. Was ein Schauspieler im deutschen Fernsehen oberhalb dieser Untergrenze verdient, legen die Sender fest, und die Produktionsfirmen setzen es um.
Der Schauspielerverband hat diese Struktur in einem Grundsatztext offengelegt. Die Gagenliste des ZDF wurde nie mit einer Gewerkschaft kollektivvertraglich vereinbart. Für Schauspieler ist sie deshalb rechtlich nicht durchsetzbar. Der Verband fasst das in einem Satz zusammen: Der Herr gibt, und der Herr nimmt.
Tarifverträge in Film und Fernsehen schließen die Gewerkschaften mit den Produktionsfirmen ab. Die Sender, die diese Firmen beauftragen und bezahlen, unterschreiben nicht mit. Sie bestimmen über Budgets und Aufträge, wie viel Geld für Besetzung da ist, und sind an keine tarifliche Zusage gebunden.
Die Produktionsfirmen geben diesen Druck weiter. Sie müssen mit dem Budget auskommen, das der Sender bewilligt. Gespart wird dort, wo sich niemand wehren kann: bei den Drehtagen der Darsteller und bei der Frage, ob eine Rolle mit Text noch als Schauspielrolle gilt (siehe Teil 1). So entsteht ein System, in dem der Sender verantwortlich ist und die Produktion es ausführt, und am Ende niemand haftet.
Was die Vergütungsregeln vom Oktober 2025 an der Gage ändern, steht in Wer die Gagen macht, Teil 2.
Viele Community Player (ehemals bezeichnet als Kleindarsteller, Komparsen) bitten mich mittlerweile, sie an die Hand zu nehmen: Sprachtraining, Bewältigung von Lampenfieber, Atmen, Achtsamkeit. Natürlich macht es Spaß, mein Wissen weiterzugeben. Und ich muss oftmals Nein sagen, weil ich Talentlosigkeit, wenn ich sie spüre, selbst auch nicht auf dem Bildschirm sehen möchte. Oder wo auch sonst in diesem wunderbaren Beruf, der meiner Meinung nach immer noch ein Ausbildungsberuf ist. Mit wenigen Ausnahmen: Geniestreiche, die als sogenannte Quereinsteiger Karriere machen. Wunderbar, ich bewundere sie. Ich liebe euch.
Was dieses System für Menschen bedeutet, wenn zusätzlich die Zahl der Drehtage einbricht, steht in Teil 3.
Schauspielerverband, Grundsatztext „Das Gagen-Dilemma mit den Öffentlich-Rechtlichen“, 27. Mai 2025.
Schauspielerverband, ZDF und Produktionsallianz, Gemeinsame Vergütungsregeln Schauspiel, 31. Oktober 2025, Ziffer 1.2.
Wer in Deutschland eine Rolle mit Text spielt, wird nach Tarif als Schauspieler bezahlt. Es sei denn, die Rolle gilt als klein. Dann fällt sie in den Kleindarstellerbereich, und die Gage sinkt auf ein Niveau, das für Mitwirkende ohne Ausbildung gedacht ist. Der Tarifvertrag für Kleindarsteller sah 2013 zwischen 96 und 250 Euro pro Drehtag vor.
Die Grenze zieht der Tarifvertrag für Kleindarsteller. Kleindarstellung liegt dort vor, wenn kein längerer Wort- oder Reaktionswechsel vorgesehen ist. An diesem Kriterium entscheidet sich, ob ein Drehtag mit Text als Schauspielleistung oder als Komparserie abgerechnet wird.
In den Fußnoten dieses Tarifvertrags steht ein bemerkenswerter Hinweis. Eine der Kleindarstellerkategorien entspricht ausdrücklich dem Begriff der „kleinen Rolle“, wie er bei ZDF-Produktionen verwendet wurde. Die Kategorie stammt also aus der Praxis eines öffentlich-rechtlichen Senders. Sie wurde in den Tarifvertrag übernommen und gilt heute für die ganze Branche.
Die Einstufung als kleine Rolle dient heute in vielen Fällen dazu, Tagesgagen für Sprechrollen abzusenken. Rollen, die früher als Episodenrolle oder Tagesrolle regulär vergütet wurden, werden zu Kleindarstellerkonditionen angefragt. Angeboten werden sie ausgebildeten und langjährig tätigen Schauspielerinnen und Schauspielern.
Der Schauspielerverband hat solche Fälle 2024 juristisch prüfen lassen. Anlass waren Beschwerden von Schauspielern, denen für Rollen mit Text Komparserievergütungen angeboten wurden. Der konkrete Fall betraf eine Produktion für Sat.1. Eine verantwortliche Person beim Schauspielerverband sprach mit Blick auf die Branche von einem „Dammbruch“ und stellte klar, dass der Begriff Sondergage schlicht eine besonders niedrige Gage bezeichnet.
Öffentlich äußern sich betroffene Schauspieler fast nur anonym. Eine Recherche von Übermedien aus dem Jahr 2024 nennt den Grund schon im Titel: Wer aufmuckt, wird nicht mehr besetzt.
Die kleine Rolle ist damit das Werkzeug, mit dem Sprechrollen aus dem Schauspieltarif herausgelöst werden. Ihren Ursprung hat sie in der Praxis des ZDF. Wie der Sender seine Gagen darüber hinaus festlegt, zeigt Teil 2.
Tarifvertrag für Kleindarsteller, ver.di und Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen, 2013, Ziffer 1.2 und Fußnote 4 zur „kleinen Rolle“ bei ZDF-Produktionen: produktionsallianz.de
Übermedien, „Wer aufmuckt, wird nicht mehr besetzt“, 19. März 2024: uebermedien.de
Ich stehe seit rund vierzig Jahren vor der Kamera und auf der Bühne. In dieser Zeit habe ich zugesehen, wie die deutschen Fernsehsender und ihre Produktionsfirmen Rollen mit Text so lange kleinrechnen, bis sie billiger sind als ein Schauspieler. Ich schreibe das unter meinem Namen, und ich stehe dafür ein.
Das Werkzeug dafür heißt „kleine Rolle“. Wer eine Rolle mit Text spielt, wird nach Tarif als Schauspieler bezahlt. Gilt die Rolle als klein, fällt sie in den Kleindarstellerbereich. Dann sah der Tarifvertrag für Kleindarsteller 2013 zwischen 96 und 250 Euro pro Drehtag vor, Sätze für Mitwirkende ohne Ausbildung.
Die Grenze zieht der Tarifvertrag für Kleindarsteller. Kleindarstellung liegt vor, wenn kein längerer Wort- oder Reaktionswechsel vorgesehen ist. Es reicht also, eine Szene so zu schreiben oder zu schneiden, dass der Dialog kurz bleibt. Schon ist aus einer Schauspielleistung Komparserie geworden.
In den Fußnoten dieses Tarifvertrags steht, woher die Kategorie kommt. Eine der Kleindarstellerkategorien entspricht ausdrücklich dem Begriff der „kleinen Rolle“, wie ihn das ZDF bei seinen Produktionen verwendet hat. Ein beitragsfinanzierter Sender hat das Muster geliefert, nach dem heute in der ganzen Branche Sprechrollen aus dem Schauspieltarif herausgelöst werden.
Am Set hat das inzwischen einen neuen Namen. Bei Dreharbeiten mit Komparsen in Dresden wurde mir gesagt, man spreche heute von „Community Playern“ (ehemals bezeichnet als Kleindarsteller, Komparsen). Ein freundliches Wort für Menschen, die Szenen spielen und dafür einen Bruchteil einer Schauspielgage bekommen.
Angeboten werden diese Konditionen längst ausgebildeten und erfahrenen Schauspielerinnen und Schauspielern. Der Schauspielerverband hat 2024 Fälle juristisch prüfen lassen, in denen Kolleginnen und Kollegen für Rollen mit Text Komparserievergütungen angeboten wurden. Der Anlass war eine Produktion für Sat.1. Eine verantwortliche Person beim Schauspielerverband sprach von einem „Dammbruch“ und stellte klar, dass eine sogenannte Sondergage schlicht eine besonders niedrige Gage ist.
Die meisten Betroffenen schweigen. Eine Recherche von Übermedien aus dem Jahr 2024 nennt den Grund im Titel: Wer aufmuckt, wird nicht mehr besetzt.
Unsere Mütter sagen es uns seit Jahren, und Kolleginnen und Kollegen aus meinem Umfeld hören dasselbe von ihren Eltern: Man versteht im Fernsehen kein Wort mehr. Die nuscheln alle so. Und die tun immer so, als ob. Sind das überhaupt Schauspieler? Wir antworten dann: Nein, oft sind das keine Schauspieler.
Die Mutter einer Kollegin hat das einmal so beschrieben. Wenn beim Bäcker jemand hereinkommt und sagt, er möchte Brötchen backen, weil er zu Hause schon einmal Aufbackbrötchen gemacht hat, lässt ihn der Bäcker nicht in die Backstube. Das wäre unverantwortlich. Der Bäckermeister hat eine Verantwortung gegenüber seinen Kunden.
Diese Verantwortung haben die Sender abgelehnt. Ich mucke auf. Wie die Sender ihre Gagen festlegen, steht in Teil 2.
Tarifvertrag für Kleindarsteller, ver.di und Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen, 2013, Ziffer 1.2 und Fußnote 4 zur „kleinen Rolle“ bei ZDF-Produktionen: produktionsallianz.de
Übermedien, „Wer aufmuckt, wird nicht mehr besetzt“, 19. März 2024: uebermedien.de
Begriff „Community Player“ (ehemals bezeichnet als Kleindarsteller, Komparsen): eigene Erfahrung des Autors bei Dreharbeiten in Dresden.
Eine Krankenschwester schreibt über unser Theaterstück in Braunschweig, Januar 2026
Foto oben: Chris Gonz
Das ist ein schöner Moment, wenn wir Künstler Menschen berühren, und diese dann eine fröhliche und klare Botschaft weitergeben.